Spanien und seine Stiere

Wenn die Reise durch Spanien Richtung Süden führt, wird man immer häufiger die Silhouetten überdimensionaler Stiere erblicken. Es sind Werbetafeln des Sherryfabrikanten Osborne. Wir Touristen assoziieren diese Stiere aber in der Regel mit dem spanischen Stierkampf.

 

Während meiner Reisen durch Spanien besuchte ich auch mehrmals die Stadt Ronda in Andalusien. Ein Touristenziel in Ronda ist auch die legendäre Arena. Legendär deshalb, weil sie als die älteste spanische Stierkampfarena gilt und wegen ihres besonderen baulichen Ambiente. Als ich 1996 Ronda verlassen wollte, wurde ich beschworen, auf keinen Fall den sensationellen Auftritt der ersten spanischen Stierkämpferin am nächsten Tag zu versäumen. Obwohl ich mich überhaupt nicht für den Stierkampf interessiere, erwarb ich eine Eintrittskarte, um diesen historischen Auftritt eines weiblichen Matadors fotografisch festzuhalten. Es gelang mir, eine Eintrittskarte auf der begehrten Schattenseite der Arena zu erhalten. 

 

Zur sachlichen Information: Innerhalb von zwei Stunden wurden von drei Matadoren jeweils zwei Stiere getötet - also standen für jeden Stier 20 Minuten zur Verfügung. Während der ersten zehn Minuten wurde das Tier müde getrieben. Dann wurde es blutig - und damit auch für das Tier sehr schmerzhaft. Die "Kunst" des Matadors bestand darin, mit den Degen eine bestimmte Stelle im Genick so präzise zu treffen, so dass der Stier dadurch sofort zu Tode kam. 

 

Ich lehne diese Form der "Unterhaltung" strikt ab - aber solange bei uns in Deutschland täglich Tausende Ferkel ohne Betäubung kastriert und die Schwänze abgeschnitten und Tausenden Puten die Schnäbel gekürzt werden, mag ich mich nicht in den Chor der aufgebrachten Kritiker einreihen, die das ignorieren, aber die Spanier wegen des Stierkampfs heftig verurteilen.

 

Es überraschte mich, dass die spanischen Grünen nicht vehement gegen den Stierkampf protestieren. Erklärt wurde mir das mit dem Umstand, dass die hochbezahlten Zuchtstiere eine so hohe Redite abwerfen, dass auf den riesigen Weiden nur wenige Stiere grasen - und damit die Dehesas (Eichenhaine) in ihrer Artenvielfalt von Pflanzen und Insekten erhalten bleiben. Um mit Kühen einen ähnlich hohen finanziellen Ertrag zu erreichen, weiden eine Vielzahl auf den Weideflächen - und die Naturwiesen verdorren und verkarsten schließlich. Am Ende meiner Fotoserie belege ich das mit zwei Fotos von einer Stier- und einer Kuhweide, die sich in Nachbarschaft befanden. 

 

Die meisten Fotos fotografierte ich im quadratischen Mittelformat als Dias - und digitalisierte diese jetzt mit einem hochwertigen Scanner.