Berlevåg - The Museum of Modern Art - 2016

"In den öden Fensterhöhlen, wohnt das Grauen"

Der bislang vielleicht für regelmäßige Hurtigruten-Reisende in schwachen Umrissen erinnerliche Anlegehafen Berlevåg im Nordosten Norwegens, der Varangerhalbinselwird sicherlich bald unter Kunstkennern ein Geheimtipp werden.

 

Die Werktätigen  im Hafen des kleinen Ortes schlossen sich unter dem Titel "hot wheel brothers" zu einem Verein zusammen und präsentieren Alltagsgegenstände unter dem Slogan "Eldorado des Verschmähten" und werden vielleicht später wegen der Besonderheit ihrer Präsentationsform als Avantgarde des 21. Jahrhunderts gefeiert werden.

 

Die folgende Bildserie darf ich mit Zustimmung des Kurators der Ausstellung - einem Fischer im besten norwegischem Wikingerformat - bereits vor der offiziellen Eröffnung eine Auswahl der Kunstgegenstände zeigen. Teilweise liegen bereits die Titel-Gedanken der jeweiligen Künstler vor. Ihre eigene  Ursprünglichkeit vergleichen diese schlicht-originellen Kunstschaffenden mit der Zeit, als in Alta die Felszeichnungen der Steinzeitkünstler entstanden - und heute Heerscharen von Kunstkennern aus aller Welt anlocken. 

 

Bereits ihre Künstlerklause, welche ich am Anfang meiner Bildserie zeige, liegt so außerhalb der Norm, so dass sich Zeitgenossen an den alternativen Gestaltungswillen der Hippie-Generation erinnert fühlen dürften.

 

Die  geradzu revolutionäre  Form der Präsention liegt darin, dass die Kunstgegenstände scheinbar völlig wahllos im Hafengebiet verstreut liegen - und die Besucher herausgefordert werden, mit wachen Sinnen alle Winkel zu durchforschen, um fündig zu werden. Der in Vorbereitung befindliche Ausstellungskatalog weist nicht die genauen Positionen  der jeweiligen Kunstwerke aus, sondern belohnt den erfolgreichen Sucher mit Abbildungen und Erläuterungen. Manche Kunstwerke sollen aber den Betrachter zu eigenen fantasievollen Interpretationen anstiften, die sicherlich einen kreativen Prozess voraussetzen. Wem in der Vergangenheit angesichts normendistanzierter Kunstwerke nichts einfiel, wird hier hoffnungslos überfordert sein und das absolut mutige Konzept der ausstellenden Künstlerschar wahrscheinlich nicht erkennen können. 

 

Ich wünsche den Liebhabern dieses ungewöhnlichen Konzepts viel Freude, Staunen - und auch Respekt vor einer wahrhaft mutigen Präsentationsform in einem Winkel der Erde, in dem man eine solche künstlerische Fantasie nicht erwarten konnte.